Von einer Kämpferin, die nicht Soldatin wurde

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Von einer Kämpferin, die nicht Soldatin wurde

Nach dem Tod ihres Vaters wurden Jael (fünfte von rechts) und ihre Geschwister in eines der Häuser in der Witwenkooperative St. Monica Village aufgenommen und von den Witwen versorgt. Auf dem Foto von 2015 sind sie mit dem 1. Vorsitzenden von DfA Dr. H.-J. Schinkel (vierter von rechts), Simone Schlachter (sechste von rechts), Dr. A. Wagner (vierter von links) und Dr. A. Pathe (zweiter von links) bei deren Hilfseinsatz 2015 vor diesem Haus zu sehen.

„Ich liebe meine Arbeit”, erzählt die 23-jährige Jael Oginga. Wenn ein Patient mit Schmerzen in die Praxis kommt und mit einem Lächeln wieder herausgeht, wenn ich Menschen mit Problemen helfen kann – das ist das Größte für mich. Es gibt mir ein ganz besonderes Glücksgefühl, anderen zu helfen.“ Die junge Frau mit dem verschmitzten Lächeln und den kurzen Haaren hat eine lebensfrohe und selbstbewusste Ausstrahlung. Das ist umso bewundernswerter, wenn man ihre Geschichte kennt. Sie wurde als drittes Kind in eine Familie von vier Schwestern und fünf Brüdern geboren. In ihrer frühen Kindheit war ihre Welt noch in Ordnung. Bis ihr Vater starb. „Unser Leben wurde zur Hölle”, berichtet Jael von dieser Zeit. „Jeder Tag war ein Kampf ums Überleben. Oft hatten wir nichts zu essen. Wir verloren einfach alle Hoffnung. Doch wir versuchten, füreinander da zu sein.“

Kraft durch Familienzusammenhalt

Ihre älteren Brüder mussten die Schule abbrechen, um der Mutter dabei zu helfen, die Familie zu ernähren. Die Mutter, ein jüngerer Bruder und Jael arbeiteten auf den Feldern der 19 Kilometer entfernten Rift Valley Farm, während die älteren Brüder bei einem Ziegelmacher aushalfen. Jael schaffte es, ihre Grundschulausbildung abschließen. „Wir unterstützten uns innerhalb der Familie gegenseitig und gaben nie auf. Die starke Verbundenheit hat uns über diese Zeit hinweggeholfen“, sagt Jael stolz. Dass sie heute so eine kraftvolle Präsenz hat, ist sicherlich auf diesen starken Zusammenhalt zurückzuführen. Jaels Mutter wollte ihre Tochter auf die weiterführende Schule schicken. Doch das war mit den geringen Einkünften der Familie kaum möglich.

Jael Oginga bei ihrer Arbeit in der Zahnstation in Nyabondo im Februar 2020.

Ausbildung und Engagement

Und dann kam die Wende in Jaels Leben: Sie wurde in das DfA Patenschaftsprojekt aufgenommen und wird seitdem durch eine persönliche Patenschaft in ihrer Schul- und Berufsausbildung unterstützt. 2015 konnte sie so ihren Schulabschluss an der Sigoti Complex Girls Highschool machen.  Schon als Kind träumte sie von einer Karriere als Ärztin oder Soldatin. Sie ist ehrgeizig und weiß, was sie will. Letztlich entschied sie sich dazu, einen medizinischen Beruf anzustreben. „Ich will Menschen helfen“, sagt sie zu dieser Entscheidung. Das ist für sie das Wichtigste. Schließlich schrieb sie sich für ein Studium in Community Oral Health an der Mount Kenya University ein, wo sie durch die Unterstützung von DfA drei Jahre lang studieren konnte.

Zurzeit arbeitet Jael in der DfA-Zahnstation in Asumbi, wo sie vor allem für die Behandlung und Betreuung von Patienten und die Wartung und Instandhaltung von Maschinen und Geräten zuständig ist. Sie kümmert sich außerdem um Prophylaxemaßnahmen an Schulen und ist in viele andere DfA-Projekte eingebunden. So schulte sie beispielsweise im Rahmen eines COVID-19 Präventionsprojekts Motorradfahrer aus der Region, um sie für die Ansteckungsgefahren zu sensibilisieren und als Helfer im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu gewinnen.

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