Leben in Kenia


36 Prozent der Menschen in Kenia leben unterhalb der Armutsgrenze. Alle Besorgungen und jede Mahlzeit müssen sie mit etwa 1,50 Euro am Tag bestreiten. Trotzdem verschulden sich viele der Erwachsenen, um ihren Kindern eine Schulbildung und damit eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Gleichzeitig lassen die teilweise sehr hohen HIV/Aids-Raten vielerorts elternlose Kinder und verwitwete Frauen zurück, die von der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Zehn Prozent aller Kinder in Kenia sind Waisenkinder. Dadurch, dass der Schulbesuch vergleichsweise teuer ist, können viele nicht zu Schule gehen. Ihre Chancen auf einen Abschluss und ein sicheres Einkommen sind dadurch sehr gering.

80 Prozent der Kenianer haben keine Krankenversicherung. Die Kosten für die oftmals ungenügende Gesundheitsversorgung sind hoch.

Deutlich wird, dass die Menschen in Kenia tagtäglich vor für uns unvorstellbaren Herausforderungen stehen. Mit den Texten auf dieser Seite möchten wir zeigen, wie die Realität für arme Menschen in Kenia aussieht und wie wir als Verein mit Ihrer Unterstützung helfen können.



1. Armut in Kenia

2. Das Gesundheitssystem in Kenia

3. Bildung in Kenia

Armut in Kenia



Obwohl Kenia zu den afrikanischen Ländern gehört, in denen die Armutsrate in den letzten Jahren stark gesunken ist, bleiben für die Mehrheit der Kenianer Hunger, Arbeitslosigkeit und fehlende Bildung der traurige Alltag. Für Kenias junge Bevölkerung gibt es so gut wie keine Arbeitsplätze. Nur drei Millionen Menschen befinden sich in einem formalisierten Beschäftigungsverhältnis (2019). 85% der kenianischen Bevölkerung ist im informellen Sektor tätig. Das ist auch einer der Gründe, warum nur etwa 20% eine Krankenversicherung haben.


Ständig steigende Preise

Das Mehr als ein Drittel der Bevölkerung Kenias lebt unterhalb der Armutsgrenze und hat damit täglich weniger als 1,56 Euro zu ihrer Verfügung. Das reicht kaum zum Kauf von Grundnahrungsmitteln. Ein Kilo Tomaten kostet in der Hauptstadt Nairobi 0,80 Euro, 12 Eier kosten 1,31 Euro und ein Kilo Reis geht für 1,13 Euro über den Ladentisch. Hinzu kommen Mieten und Schulgelder. Weil die staatlichen Schulen nur schlecht ausgerüstet sind und auf einen Lehrer oft 70 Kinder kommen, schicken in Kenia sogar arme Eltern ihre Kinder auf private Schulen. Wer ein durchschnittliches Einkommen von 500-1000 Euro hat, zahlt bis zu 40 Prozent seines Einkommens für Schulgebühren.

Die Menschen in Kenia sind zudem ständigen, starken Preisschwankungen ausgesetzt. Die Inflationsrate liegt mit 6,3 Prozent fast doppelt so hoch, wie in Deutschland (3,8 Prozent im Juli 2021). Seit 2007 sind vor allem die Lebensmittelpreise auf Grund von Dürren, starken Regenfällen und der hohen Abhängigkeit von Importen immer wieder angestiegen.


Verlust von Ernteerträgen

In den ländlichen Gegenden besitzt ein Großteil der Familien ein kleines Stück Land für den Anbau von Gemüse, Obst und Getreide, das sogenannte Shamba. Etwa 40 Prozent der Menschen in Kenia verdienen ihr Einkommen in der Landwirtschaft. Allerdings können sie selten mehr anbauen, als sie zum Leben brauchen. Kleinbauern besitzen häufig keine Maschinen, Pflüge oder Nutztiere und sind zu arm, um die Bodenqualität zu verbessern. Der Nährstoffmangel und Bodenerosionen führen zu geringeren Ernten. Durch extreme Wetterverhältnisse wie starke Regenfälle und nicht enden wollende Trockenzeiten gingen in den vergangenen Jahren wiederholt landwirtschaftliche Nutzflächen und Ernteerträge verloren.


Ungewissheit und Perspektivlosigkeit

Die Perspektivlosigkeit in ländlichen Gegenden führt zu starker Migration in die Städte des Landes. Doch auch in den Städten gibt es nur bedingt Verdienstmöglichkeiten. Viele Menschen können sich mit Straßenhandel und schlecht bezahlten Jobs kaum über Wasser halten. Sie leben meist von nur einer Mahlzeit am Tag. Durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hat sich diese Situation noch verschlechtert. Die Ungewissheit, die wir in Deutschland heute erst durch die Corona-Pandemie kennenlernen, ist für die Menschen in Kenia schon lange Alltag. Sie können sich auf nichts verlassen und müssen jeden Tag neue Wege finden, um an Geld für sich selbst und für ihre Familie zu kommen. Diese ständige Ungewissheit bedingt, dass ein Vorausplanen fast unmöglich ist. Ob am nächsten Tag genug zu essen da sein wird, das Schulgeld für die Kinder im kommenden Schuljahr bezahlt werden kann und ob sie überhaupt ihre Unterkunft behalten können – sie wissen es nicht.

Die Menschen in Kenia begegnen diesen vielen Herausforderungen mit Kraft und Kreativität. Die Realität des ständigen Kämpfens und der fehlenden Perspektiven ist trotzdem erdrückend.


Bloß nicht krank werden!

Gesundheitssystem in Kenia leider noch immer ungenügend



Die Unterschiede zwischen Armen und Reichen in Kenia werden besonders im Gesundheitssystem sichtbar. Während die wohlhabende Elite des Landes sich in teuren Privatkliniken und oft auch im Ausland umfassend versorgen lässt, hat der Rest der Bevölkerung wenig oder gar keinen Zugang zu adäquater Gesundheitsversorgung. Das hat verschiedene Gründe. Ausschlaggebend ist, dass der kenianische Staat nur sechs Prozent des gesamten Staatshaushalts für Gesundheit ausgibt. Damit liegt er weit unter der von der Afrikanischen Union in der Abuja Declaration festgelegten Mindestgrenze von 15 Prozent, zu deren Einhaltung sich Kenia verpflichtet hat.


Krankenhäuser sind schlecht ausgestattet

Die Folge ist ein starker Mangel an Fachkräften und medizinischer Ausstattung. Laut einer Studie von 2018 fehlte es in 88 Prozent aller Krankenhäuser an Lagern für infektiösen Abfall, Schutzhandschuhen und Desinfektionsmittel. Also an grundlegender Ausrüstung, um Infektionen zu verhindern. Auch Diagnostik-Geräte wie CT-Scanner und Kernspintomographen sind in kenianischen Krankenhäusern eine Seltenheit. Darüber hinaus fehlt es an qualifiziertem Personal, um solche Maschinen zu bedienen. Im gesamten Land kommt auf 7200 Patienten nur ein einziger Arzt, von denen die meisten in den städtischen Ballungsräumen tätig sind. In Deutschland versorgt ein Arzt im Schnitt 211 Patienten. Durch den Fachkräftemangel kommt es häufig auch zu Fehldiagnosen und falschen Behandlungsansätzen.


Ungleichheit im Gesundheitswesen

Auf dem Land ist diese Problematik noch verstärkt. 70 Prozent der Kenianer leben in ländlichen Gebieten. Trotzdem sind die meisten Ärzte in den städtischen Ballungsgebieten tätig. Auf dem Land werden Gesundheitseinrichtungen oft von einer einzigen Krankenschwester geleitet. Ärzte gibt es fast keine. Um dem Mindeststandard der WHO für Gesundheitspersonal zu entsprechen, müsste Kenia noch etwa 100.000 Fachkräfte einstellen. Doch mit nur elf medizinischen und zahnmedizinischen Hochschulen im Land ist das utopisch. Unter den Folgen leiden vor allem die Patienten.


Gesundheitsreformen und Krankenversicherung

Trotz der Bemühungen der letzten Jahre das Gesundheitssystem zu reformieren, haben bislang nur 20 Prozent der kenianischen Bevölkerung eine Krankenversicherung. Auch über 20 Jahre nach der Einführung des National Health Insurance Fund (NHIF), der Pflichtversicherung der kenianischen Regierung, sind die Registrierungsraten sehr gering. Das liegt unter anderem daran, dass 85 von hundert Männer und Frauen im informellen Sektor tätig sind und keinen Arbeitgeber haben, der ihre Beiträge bezahlt. Besonders bei sehr armen Menschen ist die Initiative, sich für die monatlichen Zahlungen anzumelden, sehr gering ausgeprägt. Auch wenn sich die Beitragszahlungen prozentual am Einkommen orientieren, ist die zusätzliche Belastung für arme Haushalte kaum zu stemmen. In den geringen Registrierungsraten zeigt sich auch das fehlende Vertrauen in die Regierung. Mit Versicherung oder ohne – allzu oft haben die Menschen in Kenia erfahren, dass sie auf sich allein gestellt sind.


Hohe Kosten für Patienten

Mehr als ein Drittel der Bevölkerung Kenias lebt unterhalb der Armutsgrenze und hat damit täglich weniger als 1,56 Euro zu ihrer Verfügung. Doch selbst Kenias Mittelklasse, zu der per Definition Menschen mit einem monatlichen Einkommen zwischen 185 und 938 Euro gehören, kann sich eine Behandlung beim Arzt schnell nicht mehr leisten. Wer krank ist und mehr als eine grundlegende Versorgung benötigt, muss sich oft verschulden. Oder kann die so dringend benötigten Leistungen nicht in Anspruch nehmen. Wer nicht zahlen kann, wird abgewiesen. Die NHIF Versicherung deckt nur das grundlegendste ab. Die Menschen in Kenia versuchen daher, sich selbst zu helfen. Im Krankheitsfall ist es üblich im Verwandten- und Bekanntenkreis Spenden zu sammeln. Mit dem mobilen Bezahlsystem M-Pesa stellt der kenianische Mobilfunkanbieter Safaricom ein Tool zur Verfügung, mit dem Geldtransfers schnell und einfach möglich sind. Kleine Beträge können leicht über das Handy versendet werden. Auf dieselbe Weise werden auch Beerdigungen finanziert.


Während der Corona-Pandemie unterstützt Dentists for Africa lokale Krankenhäuser in Kenia mit dringend benötigter Schutzausrüstung. Hier geht’s zur Spendenkampagne.

Bildung in Kenia



Die Weltbank bewertete 2018 das kenianische Bildungssystem im Hinblick auf dessen Resultate als eines der besten auf dem afrikanischen Kontinent. Trotzdem haben viele Kinder in Kenia keinen adäquaten Zugang zu Bildung. Zwar wird die achtjährige Grundschulbildung an staatlichen Schulen kostenfrei angeboten, doch Kinder aus armen Verhältnissen können sich die Anschaffung von Schuluniformen, Heften, Stiften und Büchern kaum leisten. Wer ohne diese Ausrüstung zur Schule erscheint, wird wieder nach Hause geschickt. An den staatlichen Schulen unterrichten unterbezahlte Lehrer häufig Klassen von bis zu 70 Schülern und haben dabei kaum Unterrichtsmaterial zu ihrer Verfügung. Dennoch sind viele Lehrer hochmotiviert: 2019 wurde ein Kenianer als bester Lehrer der Welt ausgezeichnet – für sein Engagement an einer staatlichen Schule. Statistisch gesehen haben die Schüler der Privatschule jedoch deutlich bessere Chancen auf einen guten Abschluss.


Privatschulen werden immer beliebter

Deswegen versuchen sogar arme Menschen ihre Kinder immer häufiger auf Privatschulen zu schicken. Für die Menschen in Kenia hat Bildung einen hohen Wert. Sie geben im Durchschnitt ein Viertel ihres Einkommens für den Schulbesuch ihrer Kinder aus und verzichten dafür lieber auf Mahlzeiten, manche verschulden sich. Viele Eltern können sich den Besuch einer Privatschule für ihre Kinder jedoch nicht leisten. Immerhin 36 Prozent der Bevölkerung Kenias lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Menschen haben damit täglich weniger als 1,56 Euro zu ihrer Verfügung. Ihnen fehlt das Geld, um überhaupt für den Schulbesuch ihrer Kinder aufkommen zu können. Und so schaffen es drei von zehn Grundschülern nicht, bis zu ihrer Abschlussprüfung an der Schule zu bleiben.


Hohe Kosten für weiterführende Bildung

An den weiterführenden Schulen und Universitäten verstärkt sich diese Problematik. Der Besuch der weiterführenden Schule kostet im Schnitt einen Euro am Tag. Für arme Haushalte eine unbezahlbare Summe. Kindern aus armen Verhältnissen fehlen außerdem oft die Voraussetzungen, um eine ausreichende Qualifikation für die weiterführende Schule zu erreichen. Sie haben Zuhause kein elektrisches Licht und so bleibt ihnen weniger Zeit zu lernen. 35 Prozent aller Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren arbeiten, auch um die Kosten für den eigenen Schulbesuch zu decken oder ihre Familien beim Einkommenserwerb zu unterstützen. Darunter leidet ihre Schulbildung. Ohne Sekundärbildung sind sie gezwungen ihr Geld auch weiterhin in unsicheren, schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs zu verdienen. Nur 37,5 Prozent der Jugendlichen in Kenia schaffen es auf eine weiterführende Schule. 13,7 Prozent der Absolventen qualifizieren sich danach für den Besuch der Universität. In Deutschland lag die Studienberechtigten-Quote 2019 bei 50,6 Prozent.


Bildung für junge Frauen

Die Bevölkerung Kenias wuchs von 2009 bis 2015 um fast 10 Millionen auf 47 Millionen Menschen an. Grund für dieses rasante Bevölkerungswachstum ist unter anderem der niedrige Bildungsgrad von Frauen und der schlechte Zugang zu Verhütungsmitteln, vor allem auf dem Land. Eines von fünf Mädchen im Alter von 15 - 19 Jahren ist in Kenia schwanger oder bereits Mutter. 13 000 junge Frauen verlassen jährlich wegen einer Schwangerschaft die Schule. Bildung schützt die jungen Frauen. Mit dem Abschluss der weiterführenden Schule steigt ihre Chance auf eine feste Arbeit und ein regelmäßiges Einkommen. Mit steigendem Bildungsgrad der Frauen reduziert sich auch die Zahl der Kinder. Außerdem bekommen sie ihre Kinder später und können sie dann besser versorgen. Die Kapazität des Arbeitsmarktes ist gering. Es gibt kaum feste Stellen. Jährlich drängen etwa 750.000 junge Menschen auf den Arbeitsmarkt, wo sie um nur wenige Arbeitsplätze konkurrieren. Nur mit einem guten Abschluss haben sie überhaupt eine Chance.


Mit einer Patenschaft bei DfA können sie einem Waisenkind in Kenia eine neue Zukunft bieten. Wir begleiten die Kinder und Jugendlichen bis zum Abschluss ihrer Berufsausbildung. Weitere Informationen zu unserem Patenschaftsprojekt finden Sie auf unserer Website.

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