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Starke Frauen setzen auf Solidarität und Gemeinschaft

Vor der Corona-Pandemie betrieben die Frauen der Witwenkooperative St. Monica Village einen erfolgreichen Cateringservice und verdienten so den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien. Foto: Jan Bruns

Eine offene Küche mit Feuerstelle und riesigen Töpfen. Frauen in bunten Kleidern und Schürzen kochen hier gemeinsam. Der Geruch von gebratenem Fisch, Ugali, Zwiebeln und grünem Kohl liegt in der Luft und durchschmischt sich mit dem Rauch der Feuerstelle. Diese Szene spielt sich in Westkenia ab, in einem kleinen Dorf namens Nyabondo, in einer ländlichen Gegend nahe des Victoriasees. Die Frauen sind Mitglieder der Witwenkooperative St. Monica Village. Sie sind alle von HIV/Aids betroffen. Die meisten von ihnen haben ihren Ehemann an die Krankheit verloren. Viele sind selbst erkrankt. In dieser Region liegt die Aids-Rate bei rund 20 Prozent. Die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen haben die Armut unter den Witwen noch verstärkt. Zum Internationalen Tag der Witwen am 23. Juni macht DfA auf die Situation in Ostafrika aufmerksam und ruft zur gemeinsamen Hilfe für Witwen und ihre Familien auf. Damit diese in den kommenden Monaten unterstützt werden können, braucht der Verein weitere Spender.

Herausforderungen durch die Corona-Pandemie

Früher ging es auf dem Gelände der Kooperative oft so bunt und lebhaft zu. Heute ist das leider eine Seltenheit geworden. Eine der Haupteinnahmequelle der Frauen war der Cateringservice, den sie hier betreiben. Sie kochen für Hochzeiten, Feste und auch oft für Beerdigungen. Seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 waren Feste und andere Zusammenkünfte jedoch lange gar nicht mehr möglich und aktuell auch nur sehr eingeschränkt. Für die Witwen bedeutet das den Verlust eines Großteils ihrer Einkünfte. Sie haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder zu verdienen. Wegen COVID-19 ist diese Unterfangen zu einer echten Herausforderung geworden. DfA unterstützt die Frauen in dieser schweren Zeit mit der Verteilung von Lebensmitteln und Sämereien sowie finanzieller Unterstützung für die Witwen selbst und für die Betriebskosten der Kooperative. In Eigeninitiative produzieren die Witwen seit einigen Monaten Masken, die sie dann in der Region verkaufen.

Die 45-jährige Rhoda mit ihren Kindern und ihrer Enkelin vor ihrem Haus in Nyabondo im Juni 2021.

Eine Familie kämpft ums Überleben

Die 45-jährige Rhoda hat fünf Kinder und ein Enkelkind zu versorgen. Nach dem Tod ihres Ehemanns musste die kleine Familie ums Überleben kämpfen. Durch die Witwenkooperative St. Monica Village fanden sie Gemeinschaft und Sicherheit. Rhoda konnte gemeinsam mit den anderen Witwen etwas Geld verdienen. Dentists for Africa bezahlte außerdem den Schulbesuch der Kinder. Doch die Folgen der Corona-Pandemie haben sie zurückgeworfen. “Auf einmal waren wir alle wieder Zuhause und konnten keiner Arbeit nachgehen”, berichtet Rhoda. „Der Catering-Service musste monatelang ganz ausgesetzt werden. Wir verdienen kaum noch etwas. Damit wir genug zu essen haben, verkauft meine älteste Tochter Pharrian selbstgemachte Pommes auf der Straße. Wir alle fürchten uns vor der Zukunft und viele von uns haben dabei auch mit unserer Krankheit und Immunschwäche zu kämpfen. Es ist eine harte Zeit für uns”.

Leben und Arbeit in der Gemeinschaft von Frauen

534 Witwen haben in der Kooperative St. Monica Village Schutz gefunden. Durch die Arbeit in gemeinsamen Projekten erwirtschaften sie zusammen den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder. Sie besitzen Hühner und Kühe und betreiben, insofern die Corona-Regeln es zulassen, einen kleinen Cateringservice sowie eine Bäckerei und einen Gemüsegarten. Außerdem stellen sie Körbe und andere Handarbeiten her, die sowohl in der Region als auch nach Deutschland verkauft werden. Um die Gemeinschaft zu stärken und die Not zu lindern, werden zudem soziale Projekte verwirklicht. Die Witwen betreiben Aufklärung zum Thema HIV/Aids und Hygiene. Ihre Kinder können einen Kindergarten und später die Schule besuchen. Alle Witwen besitzen eine Krankenversicherung, was in der Region sonst kaum üblich ist.

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