Eine Frau, viele Berufungen – eine katholische Nonne abseits der Klischees

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Eine Frau, viele Berufungen – eine katholische Nonne abseits der Klischees

"Die Arbeit, die ich am meisten liebe" -Sr. John Mary bei der Arbeit im Asumbi Mission Hospital

Es ist ein heißer Tag auf dem Gelände des Nyabondo Mission Hospital im Jahr 2008. Sr. John Mary Nasambu Wafula, eine katholische Nonne der Franziskaner Schwestern und gelernte Krankenschwester, stellt sich einem wütenden Mob entgegen. Die Präsidentschaftswahlen 2007/2008 führten zu gewaltvollen Unruhen. 1500 Menschen verloren deshalb ihr Leben, hunderttausende mussten fliehen. Das ganze Land war in Aufruhr, die Gemüter schnell erhitzt.

Die wütende Menschenmenge jagte einen vermeintlichen Dieb, um ihn für seine Tat zur Verantwortung zu ziehen. Sr. John Mary versuchte den Mann vor der wütenden Menge zu schützen. Sie stellt sich zwischen die Menge und den vermeintlichen Dieb und riskiert so ihr eigenes Leben. Doch ohne Erfolg. Sie konnte den Mann nicht vor seinem Schicksal bewahren.

Wenn man Sr. John Mary nach ihrem Lebensziel fragt, ist die Antwort: Anderen zu helfen. „Das Schönste ist für mich, wenn ich den Armen und Bedürftigen helfen kann. Denen, die Hilfe am meisten brauchen. Ich fühle mich schlecht, wenn ich Andere leiden sehe.”  Deshalb ist sie Nonne geworden.

Durch die Unterstützung einer DfA Patenschaft konnte Sr. John Mary ein Bachelor- und Masterstudium der Krankenpflege abschließen. Hauptberuflich ist die heute 51-jährige Leiterin des Krankenhauses in Asumbi und neben ihrer Tätigkeit als Krankenschwester seit 1995, koordinierte sie bereits verschiedene Projekte, beispielsweise zur HIV-AIDS Prävention. Sie ist außerdem ausgebildete Beraterin.

Seit 2001 arbeitet DfA mit Sr. John Mary zusammen. Der Verein begann sie in der Durchführung von HIV-AIDS Präventionsprojekten zu unterstützen und setzte einen Fokus auf die Arbeit mit HIV-positiven Kindern und Frauen. Sr. John Mary unterstützt heute die Projekte von DfA aktiv in ihrer Rolle als Leiterin des Krankenhauses in Asumbi und in ihrer Rolle als DfA Kenia Trustee.

Sr. John Mary als DfA Kenia Trustee

Sr. John Mary berichtet von ihrer Tätigkeit als Trustee:

“Durch meine Rolle als Trustee fühle ich mich DfA zugehörig. Wir beraten den deutschen Vorstand und tragen dazu bei, die Ideale und Ziele der Organisation vor Ort in Kenia zu verfolgen und die Organisation hier zu repräsentieren. Wir helfen bei der Planung, Umsetzung und Evaluierung der DfA-Projekte. Die Trustees werden so zu einem Bindeglied zwischen DfA und den Gemeinden in Kenia, denn wir wissen, was vor Ort am meisten gebraucht wird.

Der DfA Kenia Trust bildet eine enorm wichtige Brücke zwischen DfA in Deutschland und den Menschen und Institutionen in Kenia. Die Wichtigkeit dieses Insider Wissens der Trustees wurde besonders während der Corona Pandemie deutlich. Denn nur wer sich vor Ort befindet und einen authentischen Einblick in das Leben der Bevölkerung hat, kann die Bedürfnisse der Menschen richtig einschätzen.

Sr. John Mary im Gespräch mit Dr. Hans-Joachim Schinkel

Die „On the Ground“ Expertise

Sr. John Mary riet DfA während der Corona Pandemie nicht nur das Krankenhauspersonal, sondern auch die Motorrad Taxifahrer (Bodaboda Fahrer) auf die Risiken von Corona und die Möglichkeiten sich und andere zu schützen, aufmerksam zu machen.

„Während Corona war besonders wichtig, dass DfA die Bodaboda Fahrer (Motorrad Taxis in Kenia) ausbildete. Sie fahren die Leute von Nairobi, einem Corona Hotspot, in alle Gegenden des Landes und kommen in Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen. Abstand halten war ein großes Problem, vor allem in Büssen und Zügen. Das einzige verlässliche öffentliche Verkehrsmittel, das uns während Corona blieb, war das Bodaboda.“

Sr. John Mary riet DfA, die Bodaboda Fahrer auszubilden. Denn sie sah die Notwendigkeit vor Ort in Kenia aus der Perspektive der Gesellschaft.

“Ich schätze DfA besonders für die großartige Arbeit, die sie während Corona geleistet haben. Mit der Unterstützung der Organisation organisierten wir Seminare und Fortbildungen und konnten Schutzkleidung und Masken zur Verfügung stellen. So konnten wir sichergehen, dass die Projekte trotz Corona weiterlaufen. Mit unserem Wissen und der Schutzkleidung konnten wir das Krankenhaus und die Zahnstation offenhalten. Selbst Regierungseinrichtungen mussten schließen, doch wir konnten trotz Corona Patienten behandeln und Menschen helfen.”

 

Zukunftsziele

Für die Zukunft wünscht sich Sr. John Mary ein Doktorat zu machen, um als Dozentin ihr Wissen an Studenten weiterzugeben. “Wenn man älter wird gibt es Dinge, die man nichtmehr selbst so tun kann wie früher. Deshalb müssen wir unsere Arbeit an die junge Generation weitergeben.“

Auch ihre Zusammenarbeit mit DfA will sie fortführen, und dort hat sie natürlich einen festen Platz in den anstehenden Projekten.

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