Mutter elternloser Kinder: Eine Nonne folgt ihrer Berufung

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Mutter elternloser Kinder: Eine Nonne folgt ihrer Berufung

Sie nennen sie liebevoll „unsere Mutter“. Seit über 14 Jahren leitet Sister Seraphine das DfA-Patenschaftsprojekt und kümmert sich gemeinsam mit ihrem Team um derzeit 462 Waisenkinder. Die 47-jährige Nonne kennt alle Kinder persönlich und das schon, seit sie im Alter von etwa vier bis sieben Jahren in das Projekt aufgenommen wurden.

Die warmherzige Frau mit den gütigen Augen und dem schüchternen Lächeln hat eine besonders enge Beziehung zu den Kindern, die einen Elternteil oder sogar beide Eltern verloren haben. „Die Aids-Rate in Westkenia liegt je nach Region bei über 20 Prozent“ erklärt sie. Wenn Kinder ihre Eltern verlieren, kommen sie bei Verwandten unter. Teilweise sind das sehr alte Großeltern, die sich gar nicht richtig um die Kinder kümmern können. Oft haben die Kinder schon in jungen Jahren mehrere Bezugspersonen verloren. Manchmal wirkt es so, als sei eine ganze Generation verschwunden“.

 

Arbeit mit traumatisierten Kindern

Sich um diese tief traumatisierten Kinder zu kümmern ist keine leichte Aufgabe. „Als ich 2007 die Leitung des Patenschaftsprojekts bei DfA übernahm, musste ich bei Beratungsgesprächen öfter den Raum verlassen, um mich zu beruhigen. Ich sagte den Kindern, dass ich kurz etwas holen muss. Dann ging ich raus und weinte. Schließlich meldete ich mich bei einem Kurs für Jugendberatung und -therapie an, um zu lernen mit solchen Situationen besser umzugehen.“ Auch für die Erwachsenen ist Sister Seraphine da. Die Mitglieder der kleinen Gemeinde Nyabondo kommen in ihr Büro, um von ihren Sorgen zu berichten. Als Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation ist Sister Seraphine Anlaufstelle für viele, die sich Unterstützung erhoffen. Aber sie kann nicht allen helfen. „Wenn Gemeindemitglieder mit ihren Anliegen zu mir kommen, muss ich sie oft wegschicken“, erzählt Sister Seraphine. Das fällt mir wirklich schwer, weil viele Menschen in unserer Region sehr leiden.“ Um Sister Seraphine zu entlasten, wurde ein Komitee gegründet, das besonders bedürftige Kinder für das Projekt auswählt. So muss sie nicht selbst entscheiden, wem geholfen wird und kann von ihrer Gemeinde nicht für diese Entscheidungen verantwortlich gemacht werden.

Sister Seraphine mit den Kindern des Patenschaftsprojekts in Nyabondo.

Glückliche Kindheit auf dem Land

Sister Seraphine, geborene Sarah Rono, wuchs mit ihren acht Geschwistern auf einer Farm in Bomet auf, einer ländlichen Gegend umgeben von grünen Teeplantagen und üppigen Feldern. Ihr Vater war Geschäftsmann. Er verkaufte Lebensmittel, Kleidung und Schuluniformen. Wenn er die kleine Sarah mit ins Stadtzentrum nahm, kamen sie an einem Heim für behinderte Kinder vorbei. Sie beobachtete, wie sich die Nonnen in dem Heim um die Kinder kümmerten. Das möchte ich später auch machen, dachte sie sich. Sie hatte ihre Berufung gefunden. Von ihren Plänen, eine Nonne zu werden, erzählte sie ihren Eltern zunächst nichts. Heimlich besuchte sie ein Seminar für angehende Schwestern. Dann erwartete sie aufgeregt und nervös den Besuch der Nonnen, die der Familie die Nachricht von der Aufnahme in den Franziskanerinnenorden überbrachten. Die Eltern ließen sie gehen.

 

Ernennung zur Leiterin des Patenschaftsprojekts

2007 arbeitete sie als Labortechnikerin im Krankenhaus in Nyabondo. Als die damalige Managerin des Patenschaftsprojekts Sr. Paulina versetzt wurde, übernahm sie die Aufgabe und erfüllte sich damit ihren Kindheitstraum. „Damals waren es nur 200 Kinder, die ich betreute. Heute ist die Arbeit sehr viel umfangreicher geworden“, berichtet sie. Und der Erfolg kann sich sehen lassen: über 850 Patenschaften wurden bis heute vermittelt und mehr als 250 junge Erwachsene haben das Patenschaftsprojekt bereits mit einer abgeschlossenen Schul- und Berufsausbildung verlassen. Mit rührender Dankbarkeit halten sie den Kontakt zu ihrer Ersatzmutter und berichten ihr von allen Erfolgen. Dank eines guten Abschlusses haben sie nun eine reelle Chance auf dem Arbeitsmarkt und können den ausweglosen Kreislauf der Armut hinter sich lassen. Für Sister Seraphine ist das die größte Motivation. Der Erfolg ihrer Kinder gibt ihr die Kraft weiterzumachen. Ein Glück, denn ein Patenschaftsprojekt ohne Sister Seraphine kann sich heute bei DfA keiner mehr vorstellen.

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