Schwanger mit 15: Schlimme Folgen für tausende junge Frauen

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Schwanger mit 15: Schlimme Folgen für tausende junge Frauen

Heute wünscht sich Winnie alles wäre ganz anders gekommen. „Ohne die Fürsorge von Eltern, insbesondere einer Mutter, und ohne gesellschaftliche Aufklärung und Offenheit war ich als 15-jährige leicht beeinflussbar. Ich wurde schon früh schwanger. In meinem Freundeskreis herrschte starker Gruppenzwang. Um dazuzugehören, musste man einen Freund haben.“ Sex ist in Kenia ein Tabuthema. Daher mangelt es an Aufklärung über Sex und Verhütung. Vertraute Gespräche zwischen Eltern und Kindern sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Gibt es keine Eltern mehr, wird es für die Mädchen noch schwieriger sich abzugrenzen.

Leider ist die Geschichte von Winnie kein Einzelfall: Eines von fünf Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist in Kenia schwanger oder bereits Mutter. 13 000 junge Frauen verlassen jährlich wegen einer Schwangerschaft die Schule. Winnie musste ihre Schulbildung wegen der frühen Schwangerschaft für drei Jahre unterbrechen. „Ich wurde zum allgemeinen Gespött und man sagte, ich sei ein böses Mädchen. Die anderen Familien wollten nicht mehr, dass ich mit ihren Töchtern zu tun hatte.“ Ohne einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung sind Mädchen wie Winnie in einem Kreislauf der Armut gefangen.

Um der gesellschaftlichen Ächtung in ihrem Dorf zu entfliehen, zieht Winnie in eine Großstadt in der Nähe. Sie muss Geld verdienen. Sie findet einen Job als Putzfrau in einem Friseursalon. Dort beweist sie Talent für den Friseurberuf und wird zur Friseurin befördert. Doch sie verdient wenig Geld und würde lieber wieder in die Schule gehen. Bis ihr das durch die Hilfe von DfA gelingt, wird es jedoch noch einige Jahre dauern.

Die Verwundbarkeit junger Frauen

Eigentlich hat Winnie noch Glück gehabt. Die Konsequenzen früher Schwangerschaften enden in Kenia oft tödlich: 362 von 100.000 Frauen sterben bei der Geburt. Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren sind gefährdeter bei der Geburt schwere Komplikationen zu erleiden, oder sogar zu sterben, als ältere Frauen, da sie noch nicht komplett ausgewachsen sind, und die Belastungen für den Körper sehr groß sind.

Und doch: Ohne Schulausbildung wird es schwierig.

Die Schule bietet den Mädchen nicht nur bessere Berufsaussichten, sondern auch einen Ort von Schutz, Aufklärung, Sicherheit und Verantwortung. Während der Lockdown-Monate im Jahr 2020 waren die Schulen geschlossen. In dieser Zeit stieg die Rate von Teenagerschwangerschaften um 40 Prozent.

Ein Grundproblem bestand allerdings schon vor der Coronakrise. Viele kenianische Kinder wachsen in finanzieller Ungewissheit auf. 35 Prozent der Kinder in Kenia arbeiten, um ihre Familie und sich selbst zu versorgen. Nur selten gelingt es ihnen – über das Geld für Essen und Miete hinaus – auch noch die Schulbildung zu finanzieren.

Elternlose, junge Mädchen und Frauen wie Winnie sind besonders verwundbar. Oft sehen sie in einer finanziellen und emotionalen Notlage keine andere Lösung, als sich vermeintlich verantwortungsbewussten Männern anzuvertrauen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Kinderprostitution.

Die jungen Frauen werden am Ende mit der Schwangerschaft, den Kindern und der Verantwortung allein gelassen und müssen die Schule abbrechen. Meist erhalten die Mädchen vom Vater des Kindes nicht die Unterstützung, die ihnen zusteht und die sie in dieser Situation dringend bräuchten. Nicht selten werden sie auch zur Heirat gezwungen und erfahren häusliche Gewalt.

Winnie wusste, dass sie der Armut nur durch Bildung entgehen kann

­„Die Armut, in der wir lebten, trieb mich an mir woanders Hilfe zu suchen. Er versprach mir so viele Dinge, sogar mich nach der Schule zu heiraten. Diese Vorstellung war der Himmel auf Erden für mich. Doch als ich ihm von der Schwangerschaft erzählte, wies er die Verantwortung ab und kehrte mir den Rücken zu,“ erzählt Winnie heute.

Sie wusste, wenn sie dem Kreislauf der Armut entkommen will, muss sie wieder zur Schule gehen. Doch der Friseurberuf reicht nicht aus, um ihr Kind zu versorgen und zugleich die Schule zu finanzieren. Auf der Suche nach einer Lösung hörte sie von Schwester Seraphine, die in Kenia für Dentists for Africa arbeitet.

Winnie suchte ihr Büro auf und erzählte der Franziskaner-Nonne ihre Geschichte. Schwester Seraphine setzte sich dafür ein, dass DfA Winnie unterstützt. Drei Jahre nach der Geburt ihres Kindes konnte Winnie ihren Bildungsweg wieder aufnehmen. Inzwischen hat Winnie die Schule erfolgreich abgeschlossen. Mehr noch: Sie konnte einen Bachelor in Internationale Beziehungen und Geschichte abschließen.

„Als junges Mädchen weißt du nichts über das Muttersein. Jetzt ist mir klar, dass ich mich nicht auf irgendwelche Beziehungen einlassen und meine Ziele außer Acht lassen darf. Ich muss meine Ausbildung voranbringen und sehen, wie ich meine Zukunftschancen und die meines Kindes besser gestalten kann.“

Pate werden – Zukunft schenken

Durch ihre Patenschaft können Sie ein kenianisches Mädchen in ihrem Bildungsweg unterstützen und frühen Schwangerschaften vorbeugen. Die Kinder unseres Patenschaftsprojekts gehen auf Internate: Hier wird zusätzlich zur Bildung eine behütete Umgebung gesichert. So können wir gemeinsam frühe Schwangerschaften und die schlimmen Folgen für die betroffenen Mädchen und Frauen verhindern.

Mehr Informationen zu einer Patenschaft finden sie hier: https://dentists-for-africa.org/