Ein Zuhause für elternlose Kinder

Bäume oder Ziegen?
Februar 2, 2022
Ray Oboras Traum Zahnarzt zu werden
Mai 10, 2022

Ein Zuhause für elternlose Kinder

Der kleine Fidel (5) hat schon früh seine Eltern an die Aids-Epidemie verloren. Heute lebt er bei seiner Tante, die ebenfalls mit HIV infiziert ist. In dem von DfA geplanten Kinderdorf in Koliech sollen Aids-Waisen wie Fidel langfristig ein sicheres Zuhause finden.

Fidel ist erst fünf Jahre alt und hat schon mehr Leid erfahren als andere in einem ganzen Leben. Sein Vater nahm sich nach seiner HIV/Aids Diagnose das Leben, als Fidel erst sechs Monate alt war. In ihrer Verzweiflung legte seine Mutter, die sich ebenfalls infiziert hatte, das Baby in einem Busch ab und erhängte sich in einem Baum. Ein Nachbar fand das Baby dort und brachte Fidel zu seiner Tante, die ihn bei sich aufnahm.

Auch Tony verlor seinen Vater an die Aids-Epidemie. Seine Mutter wurde an einen anderen Mann vererbt, wie es bei dem Volksstamm der Luo teilweise leider heute noch üblich ist. Sie wurde ermordet, nachdem ihr neuer Ehemann behauptete, sich bei ihr mit HIV/Aids angesteckt zu haben. Tony lebt heute bei seiner 60-jährigen Großmutter, die ebenfalls an HIV/Aids erkrankt ist.

Beide Jungen teilen das gleiche, furchtbare Schicksal. Beide leben bei Verwandten, die kaum in der Lage sind, sie zu versorgen und sich um sie zu kümmern. Und beide wohnen nun bei HIV-infizierten und arbeitslosen weiblichen Angehörigen. Sie leben mit der Angst, erneut ihre einzige Bezugsperson zu verlieren und dann ganz auf sich alleine gestellt zu sein.

HIV zerstört Familien und Gemeinden in Westkenia

Während in Deutschland Corona weiterhin die Medien und unser Denken dominiert, stehen die Menschen in vielen afrikanischen Ländern ganz anderen Herausforderungen gegenüber. Schon seit Jahrzenten zerreißt die Aids-Epidemie hier Gemeinden und Familien, zerstört Leben. Etwa 4,5 Prozent aller Erwachsenen in Kenia ist betroffen, insgesamt 1,5 Millionen Menschen. Jährlich sterben über 20.000 an der tödlichen Krankheit.

In manchen Regionen liegt die Aids-Rate noch deutlich über dem nationalen Wert. So auch in Homa Bay County, nahe des Victoriasees. Hier sind über 20 Prozent der Menschen mit Aids infiziert. Die Folgen sind dramatisch. Denn der Zugang zu lebensrettenden Medikamenten ist nicht immer gewährleistet und die Krankheit ist nach wie vor mit gefährlichen Stigmata belegt. Und das, obwohl die Zahl der Betroffenen so hoch ist, darunter auch viele Kinder. 2015 waren 660,000 Kinder als Aids-Waisen registriert. Auch wenn die Infektionszahlen in den vergangenen Jahren langsam rückläufig waren, sind die gesellschaftlichen Folgen nach wie vor dramatisch. Wer sich infiziert oder einen Ehepartner oder engen Verwandten an die Epidemie verliert, wird gesellschaftlich ausgegrenzt.

Der 7-jährige Tony verlor ebenfalls schon früh seine Eltern. Gemeinsam mit Fidel besucht er die St. Michael Preperatory School in Koliech.

Kinder leben in Not

In der kleinen Gemeinde Koliech in Homa Bay County leben viele Kinder, die das Schicksal von Fidel und Tony teilen. Sie haben früh ihre Eltern verloren und leben bei Verwandten, die sich oft um mehrere Kinder kümmern und nicht die Ressourcen oder die Kapazität haben, sie ausreichend zu versorgen. In Folge von extremer Armut, des fehlenden Zugangs zur Gesundheitsversorgung und der traumatischen Erlebnisse in ihrer frühen Kindheit, haben diese Kinder wenig Chancen im Leben. Ständig droht ihnen obendrein der Verlust von Unterkunft und Fürsorge, wenn weitere ihrer Bezugspersonen sterben. Sie sind außerdem besonders anfällig für Missbrauch und Gewalt in ihren Pflegefamilien und in öffentlichen Räumen. Manche bleiben auch im Haus ihrer Eltern und leben dann gemeinsam mit anderen Kindern ganz ohne erwachsene Bezugsperson zusammen.

Bau eines Kinderdorfs in Koliech

Die Gemeinde hat sich daher an DfA gewandt und bittet um Hilfe: Sie wünscht sich ein Kinderdorf, in dem die Waisen gemeinsam leben und versorgt werden können. Geplant ist zunächst der Bau eines Hauses, in dem acht Waisenkinder unterschiedlichen Alters mit zwei Erzieherinnen in familienähnlichen Strukturen zusammenleben können. Die Kosten für dieses Vorhaben liegen bei etwa 80.000 Euro, von denen DfA 20.000 Euro aus Eigenmitteln einbringen wird. Ein eigener Garten und eine Hühnerzucht machen dieses Projekt besonders nachhaltig. Die vergleichsweise geringen Betriebskosten für eine Grundausstattung der Kinder und das Gehalt der Erzieherinnen sollen aus Spenden bezahlt werden. Die Kinder dürfen alle die von DfA vor Ort gebaute Schule in Koliech besuchen, erhalten kostenlose Gesundheitsversorgung und werden psychologisch betreut. So bekommen sie die Chance, dem Kreislauf der Armut zu entkommen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Für die Gemeinde würde dieses Projekt eine enorme Entlastung darstellen. Denn die Versorgung der Waisen stellt für viele Familien eine große Herausforderung dar. Die Gemeindemitglieder werden sich daher bei der Umsetzung einbringen und Lebensmittel für die Kinder zur Verfügung stellen. Fördermittel für dieses Projekt wurden bereits beantragt.

Wenn Sie uns beim Bau eines Kinderdorfs in Koliech unterstützen und Waisen ein sicheres und behütetes Zuhause geben wollen, können Sie uns gerne mit einer Spende mit dem Verwendungszweck „Kinderdorf“ unterstützen.

Jetzt Spenden!