Wenn Mary Perpetua Achieng‘ in einem Klassenzimmer Platz nimmt, legen sich sofort die Anspannungen der Kinder. Die neue psychosoziale Beraterin im kenianischen DfA-Patenschaftsteam hört zu, fragt nach, gibt Halt. „Wie fühlst du dich heute? Was fällt dir gerade schwer?“ – einfache Fragen, die Türen öffnen. Erst im Februar hat sie ihre Arbeit begonnen, doch sofort spürt man, wie viel Vertrauen sie ausstrahlt.
Zum ersten Mal organisierte unser kenianisches Team für die DfA-Patenkinder in diesem Jahr sogenannte Academic Reviews – „akademische Standortgespräche“. Perpetua reiste dafür in die Schulen, sprach mit jedem einzelnen Patenkind, sichtete Zeugnisse und ließ die Kinder eigene Lernziele formulieren: „Das war für viele der Moment, in dem sie verstanden haben: Ich darf träumen – aber ich brauche einen Plan“, sagt sie. Gemeinsam erstellen sie Lernpläne, etwa für ein Mädchen, das sich in Mathematik verbessern möchte oder für einen Jungen, der wegen Schlafproblemen kaum lernen konnte. Ziel der Gespräche ist es, Stärken sichtbar zu machen, Herausforderungen zu verstehen und konkrete Schritte zur Verbesserung festzuhalten. Mit dieser psychosozialen Betreuung wird die Persönlichkeitsentwicklung der Patenkinder abseits vom schulischen Lernen begleitet und gestärkt.
Starke Motivation trotz großer Herausforderungen
Die Ergebnisse machen deutlich, wie herausfordernd der Schulalltag vieler Kinder ist: In Kenia werden Prüfungen zentral bewertet, und die 400-Punkte-Marke entspricht einem soliden Leistungsniveau. Rund 62% der von DfA begleiteten Kinder liegen aktuell darunter – besonders in Mathematik, Naturwissenschaften und den kreativen Fächern gibt es Nachholbedarf. Gleichzeitig zeigen die Reviews auch: Viele Kinder sind hochmotiviert, haben ihren Lernstand realistisch eingeschätzt und formulieren klare Ziele für das kommende Schuljahr. Besonders beeindruckend ist, mit wie viel Selbstvertrauen sie über ihre Zukunft sprechen. Ob Ärztin, Ingenieur, Pilot, Schriftstellerin oder Priester – ihre beruflichen Wünsche zeigen, wie groß ihr innerer Antrieb ist. „Diese Ambition ist eine wichtige Ressource, auf die wir in der weiteren Begleitung aufbauen können“, erklärt Perpetua.
Psychosoziale Betreuung als Entlastung und Unterstützung
In den Gesprächen mit Perpetua öffneten sich viele Kinder zum ersten Mal über das, was sie wirklich belastet: Einige haben in den vergangenen Monaten ein Elternteil verloren oder leben bei Verwandten, die selbst kaum über die Runden kommen. Andere kämpfen mit Schlafproblemen, wiederkehrenden Kopfschmerzen oder der ständigen Sorge um kranke Geschwister. Manche Kinder berichteten von Stress, weil sie nach der Schule Wasser holen oder im Haushalt helfen müssen und kaum Zeit zum Lernen bleibt. Diese persönlichen Herausforderungen wirken sich direkt auf die schulischen Leistungen aus – und genau hier setzt die psychosoziale Betreuung an: Unterstützung, traumasensibles Counselling, Stärkung des Selbstwerts und gemeinsam realistische Lernstrategien zu entwickeln.
Perpetua bringt dafür ein breites professionelles Fundament mit – von Trauma-Arbeit über Lebenskompetenztraining bis zu Krisenintervention. Zusammen mit Sr. Seraphine und dem kenianischen Patenschaftsteam begleitet sie die Kinder ganzheitlich: akademisch, emotional und spirituell. Darüber freut sich das gesamte Team, denn: „Die Unterstützung für unsere Patenkinder muss weit über die Bezahlung von Schulgebühren hinaus gehen“, sagt Perpetua.
Zum Internationalen Tag der Kinderrechte möchten wir betonen: Jedes Kind hat das Recht auf Bildung, Schutz, Förderung – und darauf, gesehen zu werden. Genau dafür setzen wir uns ein.
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