Die Geschichte der Witwenkooperative St. Monica Village

Das Weiterbildungsseminar zur Prävention von Infektionskrankheiten wie Covid-19 in Nyabondo ist in vollem Gange.
Covid-19 Prävention in Kenia stärken
Juni 21, 2022

Die Geschichte der Witwenkooperative St. Monica Village

Einige der Frauen der Witwenkooperative im Gespräch

Die Witwenkooperative St. Monica Village

Die Witwenkooperative St. Monica in Nyabondo ist eine Selbsthilfegruppe von zum Großteil HIV-positiver Witwen, die sich zusammengeschlossen haben, um die Lebensumstände für ihre Kinder und sich selbst zu verbessern. 651 Witwen sind aktuell Mitglieder der Kooperative. Durch gemeinsame Projekte verdienen sie Geld, um sich und ihre Familien zu versorgen. Im Jahr 2000 gründeten ca. 30 Witwen auf Anregung von und mit Unterstützung der Franciscan Sisters of St. Joseph und DfA mehrere Selbsthilfegruppen. DfA arbeitet seit der Vereinsgründung 1999 in guter Partnerschaft mit den Franciscan Sisters zusammen.

In den erwähnten Selbsthilfegruppen unterstützen sich die Witwen gegenseitig im Rahmen von Kleinprojekten. Darüber hinaus nehmen sie zahlreiche besonders verwundbare Waisenkinder bei sich auf, die wegen der Aidspandemie schon früh im Leben ihre Eltern verloren haben. Um den Witwen eine bessere Zusammenarbeit zu ermöglichen, bauten wir gemeinsam mit den Franciscan Sisters of St. Joseph das Witwendorf in Nyabondo, wo die Witwen nun einen gemeinsamen Raum für ihre Tätigkeiten haben. Im August 2004 wurde die Witwenkooperative mit Unterstützung der Franziskanerinnen und DfA in Kenia offiziell registriert. Die Gruppe der St. Monica Witwen verwaltet sich jedoch selbst und wird durch DfA beratend und finanziell unterstützt.

Viele Mitgliederinnen der Witwenkooperative sind jungen Alters

HIV/Aids, Polygamie und Witwenvererbung in Kenia
In Westkenia liegt die HIV-Infektionsrate bei 17-20 Prozent. Bei Frauen ist sie doppelt so hoch, wie bei Männern. Gleichzeitig sind Frauen unverhältnismäßig stark von Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen. Sie müssen ihre Kinder ernähren, trotz der Folgen der Krankheit und oft ohne Unterstützung ihrer Familie.

Die Witwenkooperative St. Monica Village befindet sich in Nyabondo, einem kleinen Ort in Kisumu County. Dort ist die Volksgruppe der Luo ansässig. Traditionelle Bräuche wie die Witwenvererbung und Polygamie führten in der Vergangenheit dazu, dass eine ganze Generation an HIV/Aids erkrankte und ein Großteil der Infizierten verstarb. Während eine HIV-Infektion bei Frauen häufig während einer Schwangerschaftsuntersuchung erkannt und behandelt wird, bleibt sie bei Männern oft unerkannt. Symptome werden aus Angst vor Stigmatisierung und Ausgrenzung ignoriert. Viele Ehemänner versterben unbehandelt, hinterlassen mehrere Ehefrauen und noch mehr Waisenkinder. Insgesamt leben in Kenia etwa acht Millionen Witwen, was 15 Prozent der kenianischen Bevölkerung entspricht. Und das, obwohl die durchschnittliche Lebenserwartung in Kenia stark unter der Lebenserwartung in Deutschland liegt: mit 66,7 knapp 14 Jahre weniger als in Deutschland (80,94 Jahre, 2019).

Die Witwen treffen sich monatlich um sich auszutauschen und ihre gemeinsamen Tätigkeiten zu organisieren

Gemeinsam gegen Enteignung und Missbrauch

Die Witwen der Kooperative St. Monica Village verweigern sich der Tradition der Witwenvererbung und setzen sich füreinander ein. Denn die Rechte von Frauen sind in Kenia zwar geschützt und sie haben ein Anrecht auf die Erbschaft ihres Mannes. Aber der Schutz des Gesetzes und der Verfassung reicht nicht bis in die entlegenen, ländlichen Regionen fern von der Hauptstadt Nairobi. Frauen sind hier stark benachteiligt und in ihrer Freiheit eingeschränkt. Im Westen Kenias sind Witwen immer wieder Opfer von Entrechtung und Missbrauch. Oft sind es die Familien des verstorbenen Mannes, die Land und Erbschaft an sich reißen. Mit dem Witwendorf haben die Witwen einen Raum für Frauen kreiert, die ihre Ehemänner verloren haben und unter den Folgen dieses Verlusts leiden müssen. Die Witwen helfen einander den Landebesitz ihres Mannes, der ihnen rechtmäßig zusteht, für sich und ihre Kinder behalten zu können. Die Frauen in der Region werden auf diese Weise unabhängig von den Familien der verstorbenen Ehemänner. Witwen jeden Alters können Geld im Witwenprojekten verdienen und ihre Kinder selbstständig versorgen. Die Witwen leben so ein modernes Frauenbild in einer stark patriarchalisch geprägten Gesellschaft.

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